Technik und Messprotokoll
Damit die Werte auf der Aufnahmen-Seite untereinander vergleichbar bleiben, halte ich mich an ein festes Vorgehen. Es ist bewusst schlicht — es soll wiederholbar sein, nicht vollständig.
Das Protokoll
- Störpegel zuerst. Vor jeder Messung eine Minute Stille aufnehmen und den A-bewerteten Mittelwert notieren. Liegt er höher als etwa 45 dB(A), ist eine T20-Auswertung nicht mehr sinnvoll — dann bleibt der Ort für einen anderen Tag liegen.
- Drei Positionen, drei Wiederholungen. Mindestens drei Mikrofonpositionen, mindestens einen Meter von jeder Wand entfernt und untereinander mindestens zwei Meter auseinander. Je Position drei Anregungen.
- Anregung. Entweder ein Sinus-Sweep über einen aktiven Lautsprecher, oder ein geplatzter Luftballon. Der Sweep ist präziser und reproduzierbarer; der Ballon ist das, was man dabeihat, wenn man keinen Strom hat. Welches von beidem verwendet wurde, steht in jeder Datenzeile.
- Auswertung als T20. Aus dem rückwärts integrierten Abfall (Schroeder-Integration) die Gerade zwischen −5 dB und −25 dB legen und auf 60 dB extrapolieren. T30 (−5 bis −35 dB) nur dort, wo der Störabstand es hergibt; das ist dann ausdrücklich vermerkt.
- Ausreißer verwerfen, nicht glätten. Weicht eine Position um mehr als 15 Prozent vom Mittel ab, wird die Messung wiederholt statt gemittelt. Meist steckt ein banaler Grund dahinter — eine offene Tür, ein vorbeifahrendes Auto.
Warum T20 und nicht RT60 direkt
Ein echter 60-dB-Abfall setzt voraus, dass die Anregung mindestens 60 dB über dem Störpegel liegt. In einer Unterführung neben einer Straße ist das illusorisch. T20 braucht nur gut 25 dB Störabstand und liefert bei einem einigermaßen linearen Abfall praktisch denselben Wert. Wo der Abfall nicht linear ist — zwei Steigungen, ein Knick — ist das selbst die interessante Information, und dann steht es in der Notiz.
Mikrofonierung
| Zweck | Anordnung | Warum |
|---|---|---|
| Messung | ein Kugelmikrofon, Kapsel nach oben | Für die Nachhallzeit ist Richtwirkung eine Fehlerquelle. Die Kugel nimmt das diffuse Feld auf, ohne eine Richtung zu bevorzugen. |
| Stereo, ausgewogen | ORTF — zwei Nieren, 17 cm Abstand, 110° geöffnet | Ein guter Kompromiss aus Lokalisation und Monokompatibilität. Standard, wenn es einfach funktionieren soll. |
| Weite Räume | A/B — zwei Kugeln, 40 bis 60 cm Abstand | Laufzeitstereofonie klingt in großen Hallen offener. Die Monokompatibilität leidet, was hier egal ist. |
| Enge Räume | Jecklin-Scheibe zwischen zwei Kugeln | Die Trennscheibe erzeugt eine Kanaltrennung, die zwei Kugeln allein nicht haben — nützlich in schmalen Schächten. |
Aufnahme und Dateien
Kein Hochpass im Gerät, weil ein Filter im Signalweg genau die Tiefton-Aussagen verfälscht, um die es hier oft geht. Trittschall und Windgeräusche fängt man besser mechanisch ab — Windschutz, entkoppeltes Stativ — als elektrisch.
Die Rohdateien bleiben unangetastet. Jede Bearbeitung passiert an einer Kopie, und was in einer Notiz als Messwert steht, muss sich aus der Rohdatei nachrechnen lassen. Wenn das nicht mehr geht, gilt der Wert als verloren, nicht als ungefähr richtig.
Auswertung
Die Schroeder-Integration und die Oktavband-Filterung laufen über ein kleines eigenes Skript in Python (NumPy und SciPy). Das ist kein Werkzeug, das jemand anders benutzen sollte — es macht genau das, was ich brauche, und prüft fast nichts ab. Wer es ernsthaft betreibt, nimmt ein Programm mit einer Kalibrierkette und ISO-3382-konformer Auswertung.
Was fehlt
Eine kalibrierte Pegelkette. Alle Absolutpegel hier sind Schätzwerte aus dem Gerätedatenblatt, keine Messwerte gegen einen Kalibrator. Für Nachhallzeiten spielt das keine Rolle — die sind ein Verhältnis, kein Absolutwert. Für die angegebenen Störpegel in dB(A) schon: Nehmen Sie diese als Größenordnung, nicht als Messung.